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Artlout Contemporary Art Magazine

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Dimitrije Martinovic

Bewegtes

Bewegtes in absolutem Stillstand charakterisiert eine Fotografie auf eine inhaltlich treffende Art und Weise.
In seinem Alltag ist ein jeder überflutet mit solchen Abbilder.
In völliger Teilnahmslosigkeit nehmen wir Farben und Formen an jeder Ecke auf, ohne einen wirklichen Sinn zu suchen, ja nicht einmal suchen zu wollen. Doch diese Bewusstlosigkeit gegenüber dieser Bilderschwemme täuscht. Wir nehmen sie auf, unsere Pupillen fokusieren Farben und Formen. Unterbewusst speichern wir eine ungeheure Menge an Bildpunkten und lassen uns unbewusst manipulieren.
Kennt nicht ein jeder das Gefühl etwas schonmal gesehen zu haben und nicht mehr zu wissen wo es war und worum es sich dabei genau handelte? Dies macht es einfach die Struktur unserer Erinnerung zu manipulieren. Wir glauben Dinge gesehen zu haben die so nicht vorhanden waren. Änderungen im Detail und in der gesamten Zusammensetzung.
Diese Manipulation von innen heraus ohne Struktur, Sinn und Ordnung ist nur allzu menschlich und begegnet uns immer und immer wieder. Doch dann ist da noch die bewusste Manipulation.
Unterschwellige Botschaften die mit Absicht unserem Bewusstsein etwas vorgaukeln und es in andere Bahnen lenkt. Und dann wären da noch Manipulationen die den Inhalt der Realität verfälschen.
Bilder die Lügen.
Die Wahrheit dabei zu erkennen ist nicht einfach, wenn überhaupt, so steckt sie tief im Detail und wird nur durch kleine technische Fehler des Manipulators sichtbar. Diese Art der Manipulation beinhalten auch die Fotografien von Dimitrije Martinovic. Jedoch mit wesentlich anderer Absicht. Die Manipulation ist offensichtlich. Die Bearbeitung ist komplett wahrzunehmen und wird auch nicht verborgen. Selten ist man sich dem Spiel mit der Realität auf solchen Bildern bewusst. Es sind Räume oder Landschaften im Hintergrund zu erkennen, welche in einer mündlichen Beschreibung völlig real klingen würden. Jeder würde den ungetrübten Eindruck der Wahrheit erkennen. Schaut er jedoch auf eine von Martinovic's Arbeiten, so entsteht ein völlig anderer Eindruck.
Die so gewohnte Homogenität ist zwar vollkommen vorhanden, dennoch erkennt man Unstimmigkeiten.


The Girl with the White Head Band
©dimitrije martinovic


Da verschwimmt beispielsweise in einer Arbeit wie "The Girl with the White Head Band" der komplette Hintergrund, während die Person im Vordergrund als einzigstes Objekt in Vollkommener Schärfe den Raum füllt.
Es entsteht eine faszinierende Lebendigkeit, welche einen magisch in ihren Bann zieht. Alles um die Person im Mittelpunkt scheint sich überschlagend zu bewegen.
Größenverhältnisse sind vollkommen aufgehoben, was aber keineswegs irreal wirkt, sondern in den Augen des Betrachters nur ein Einströmen der Farben verursacht. Bei genauerem Beschauen der Arbeit wird der Boden zu einer Strasse, man erkennt die Lichter der entgegenkommenden Autos, nimmt die Spiegelung in der durchnässten Fahrbahn wahr.
In der Lebendigkeit entsteht ein Gefühl der Geschwindigkeit, ein Rausch ähnlich dem, wenn blitzartig durch unser Hirn Bildströme fließen. Ein unbegreiflich rascher Zeitablauf.
Dieser Rausch spiegelt sich in dem Mädchen in der Mitte des Bildes vollkommen wider.
Eine nicht alltägliche Körperhaltung, welche aus einer Bewegung entsteht. Irgendetwas zwischen umkippen und tanzen. Die Arme fordernd oder um Hilfe klammernd gehalten  und ein Blick mit offenem Mund, welcher die Frage nach der Zurechnungsfähigkeit stellt. In den Händen Zigarette und Alkohol, profane Mittel des Rausches. Alles in dieser Arbeit bewegt sich in unterschiedliche Richtungen und mit unterschiedlicher Schnelligkeit.
Der Boden, die Fahrbahn, wird noch irrealer durch die Position das Mädchens auf ihr. Das Spiel mit der Realität wird wieder ganz offensichtlich so enttarnt, das einem sofort klar ist, hierauf kann man nicht stehen.
Selbst die Größenverhältnisse scheinen irreal.


Vigilante
©dimitrije martinovic



Mit diesen Größenverhältnissen spielt der 1951 in Jugoslawien geborene und heute in Kanada lebende Künstler Dimitrije Martinovic, auch in seiner Arbeit "Vigilante", welche in die artlout Collection einfließen wird, spielt der Künstler mit den Größenverhältnissen.
Ein Raum mit einem größflächigen Fenster, dessen Ausblick völlig irritiert, eine Abstraktion, die trotz ihrer andersfarbigen Gestaltung zu brennen scheint. Es entsteht der Eindruck eines Signals, welches unsere Aufmerksamkeit vollends benötigt. Geschönt wird das ganze von spiessig wirkenden Blumen und Vorhängen, welche den vollen Bezug zum Titel der Arbeit zu haben scheinen. Eine Wertung? Nicht zwangsläufig, denn dazu erscheint sie zu unbewusst. Ein Boden der sich wieder zu bewegen scheint, ein erdfarbener Fluss, dessen Wellen man schattenartig erahnen kann und eine Stimmung schafft, als würde die ganze Szenerie auf einen einströmen.
Eine Verstärkung des Signales, um die ganze Brachialität zu entfalten. Doch der Sinn dieser ganzen Wirkungen entfaltet sich erst vollends im Vordergrund. Ein Mann der dem Betrachter direkt und auf eine bedrohliche Art in seine Augen sieht. Seine Proportionen wirken verschoben, als wenn er auf einen zu fällt. Seine rechte Hand nimmt eine leichte Abwehrhaltung ein, doch dieser noch relativ harmlose Eindruck wird durch seine linke Hand zerstört, in welcher er einen Baseballschläger hält.
Zurückhaltung und Bedrohung in einer Person. Völlig irritieren daneben ein Piano, welches man irgendwie dem Mann eher zutrauen würde.  Seine Anzug, mit dem er bekleidet ist passt auch besser zu dem Flügel als zu dieser gewalttätigen Position. Man könnte jetzt den Glauben bekommen er will sein unproportioniertes Instrument verteidigen, doch würde er sich dann hinter ihm befinden?
Ein rätselhaftes Bild, welches die Gedanken in dem Betrachter animiert.


Universales Panel One
©dimitrije martinovic


Klarer in seiner zu vermutenden Aussage präsentiert uns Dimitrije Martinovic seine neuste Serie, aus der zwei tanzende Frauen zu sehen sind. Auf jedem dieser Bilder ist aber jede Dame gedoppelt, so das zwei Paare tanzen.


Universales Panel Two
©dimitrije martinovic



Die eine wirkt wie ein Szenegirl - kurze Haare, lässige Kleidung, Tattoos. Die andere hingegen in einem dunklen Anzug mit einem weissen Hemd gekleidet, ein schwarzer Hut und dann noch die typischen beiden Locken eines Rabbis.


Universales Panel Three
©dimitrije martinovic



Innig berühren sie sich, so das fast ein sexualisierter Eindruck entsteht. Doch ob es wirklich an dem so ist erfährt man nicht.


Universales Panel Four
©dimitrije martinovic



Denn eigentlich wäre zu vermuten das die Kulturauffassung beider zu unterschiedlich ist, und doch entsteht der Eindruck eines Tabubruch. Der traditionelle schlossartige prunkvolle Raum, in dem sich die Situation abspielt, scheint wie ein dritter Fakt, der nicht zu den anderen passt. 


Universales Panel Five
©dimitrije martinovic



Auf dem roten Teppich wachsen Teichrosen, welche die Unwirklichkeit der Szene noch mehr verdeutlichen. Alles wird zur reinen manipulierten Situation. Disharmonien in Harmonie.








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