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Lucio Fontana

Dahinter

Wer den typischen Arbeiten von Lucio Fontana erstmals begegnet wird wohl etwas beschämt eine Wut in diese hinein interpretieren.
Eine Leinwand vollkommen zerschnitten und zerstochen.
Doch fangen wir bei einem anderen Ausgangspunkt an, der Grundlage des Schaffens.
Während den kleineren rechteckigen Arbeiten die Form der Basis vorausgenommen wurde, so wurde diese Form bei den elliptischen Arbeiten bewusster gewählt.
Die rechteckigen Formen dienen als Mittel zum Zweck, sie sind nur die "zufällig gewählte Rahmung".
Hier wurde mehr Wert auf die Unregelmäßigkeit im Zentrum des Bildes gelegt als auf die Form des Gesamtwerks.


Concetto Spaziale, la Fine di Dio, 1963
©foto: sotheby´s london



Für viele Betrachter ist dies ansprechender, da die Unterbrechungen regelmäßiger sind.
Geordnet kommen sie daher und wirken sehr künstlich.
Ein sehr angesagtes Mittel der Abstraktionen in dieser Zeit. Später tauchen aber Arbeiten auf, die als wesentlich einzigartiger gelten.
Es werden andere Formen gesucht.
Die Leinwand wird wichtiger.
Über die Form wird jedoch nicht als weitere Abstraktion nachgedacht sondern wird neu definiert.
Es ist eine Rückkehr aus der total künstlichen Welt zur Natur.
Eine optimale organische Form wird gesucht, die dies als Symbol perfekt erkennen läßt.
Fontana findet die elliptische Form, in der Natur das Ei.
Die absolute Ursprünglichkeit, voller Reinheit, die Spur der Ahnen, der Anfang, die Last, die Lust, das Zerbrechliche, das Starke, die Kraft der Seele.
Viele Symbolisierungen findet man für diese Form, dies macht es nicht eindeutig, aber individuell lesbar.
Eine Methode auf die Fontana großen Wert gelegt hat.
Die Erfahrungen des Einzelnen stehen über der Aussage des Künstlers.
Der Betrachter wird so einbezogen das er sich in völliger Freiheit in der Arbeit bewegen kann. In vielen Abstraktionen wird nach der einen Aussage gesucht.
Lucio Fontana war da mehr auf das individuelle Erleben des Einzelnen aus.
Das Ei als vertrauter Rahmen schaffte hier den Einstieg.
Seine "Zerstörungen" in dieser Form unterscheiden sich aber völlig von den anderen.
Er benutzte keine Hilfsmittel sondern schlug mit seiner Faust auch die Leinwand ein, bis sie ausriss. Dies alles scheint wie die pure Aggression, den Drang zur Zerstörung, doch genau dies ist es nicht.
Es ist keine Wut, sondern eher der Forschungsdrang, die Neugier, die Sucht nach Wissen.
Zu wissen was im Inneren vor sich geht, das dahinter zu sehen, jedoch immer ohne die komplette Form zu zerstören.
Es sollen nur Ausschnitte und Ahnungen zu erkennen sein um den eigenen Gedanken ihren Spielraum zu lassen, so das man sich in Fantasie frei entfalten kann.
Wo ein Ende ist, da ist auch ein Anfang und diesen macht Lucio Fontana in diesen Arbeiten sichtbar.








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