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Jan Kiefer
Interview artlout: Hallo Jan, ersteinmal vielen Dank, dass Du dieses Interview ermöglichst. Da Dich vielleicht noch nicht jeder unserer Leser kannt, würdest Du Dich vielleicht kurz vorstellen? Jan Kiefer: Vielen Dank für die Einladung zu diesem Interview. Mein Name ist Jan Kiefer. Ich bin 28 Jahre alt und habe in Trier und Luzern Visuelle Kommunikation mit Studienschwerpunkt experimentelle Gestaltung und orginalgrafische Techniken studiert. Zur Zeit lebe und arbeite ich noch für einige Wochen in Trier. artlout: Deine Arbeiten der expedition series - st.louis to astoria erinnern mich sehr stark an "Big Brother is watching you". In ihnen baut sich für mich ein Gefühl des öffentlichen Voyeurismus auf. Es wirkt wie der Blick durch eine Security- , bzw. eine Hidden-Camera. Aus welchen Vorlagen resultieren diese Arbeiten? Jan Kiefer: Eine interessante Frage. Hierzu muss ich ein wenig ausholen und das Konzept meiner aktuellen Arbeit erläutern. Die Basis meiner künstlerischen Arbeit bildet die Auseinandersetzung mit dem Menschen in einer gänzlich multimedialen Umwelt. Die Chancen, die sich durch moderne Kommunikationsmethoden eröffnen sind nahezu unerschöpflich und stellen hohe Anforderungen an den Anwender und Konsumenten. Aufgrund der erschwinglichen und anwenderfreundlichen Peripherie ist ein jeder Teil der medialen Informationsflut und gestaltet diese bewusst oder auch unbewusst mit. Kommunikation wird zum dualen Prozess, in welchem sich Sender und Empfänger unter Umständen, ihre Kompetenzen betreffend nicht unterscheiden. Die persönliche Präsentation im World Wide Web entwickelt oftmals eine Eigendynamik, welche nicht ohne Auswirkungen auf die eigentliche Identität bleibt. ![]() Expedition Series, Sioux city ©jan kiefer Desweiteren stelle ich mir die Frage inwiefern sich die Möglichkeit Informationen ohne großen Zeitaufwand, körperliche Anstrengung oder finanzielle Belastung zu beschaffen bzw. auszutauschen auf die persönliche sowie gesellschaftliche Entwicklung auswirkt. Mit Hilfe weniger technischer Instrumente lassen sich weite Teile des Lebens von wenigen Quadratmetern aus steuern und beeinflussen. Das moderne Netzwerkangebot ermöglicht die Verfügbarkeit jeglicher Art von Information und Unterhaltung in Echtzeit am heimischen Schreibtisch. Paradoxerweise führt somit Kommunikation nicht selten zur Isolation. Die Auseinandersetzung mit dieser Problematik gründet auf meinen Recherchen im Bereich geografischer Weltendeckung, welche ich mit heutigem Erfahren und Erleben der Welt vergleiche. Gelesene Forscher- und Entdeckertagebücher ermöglichen mir ein Nachvollziehen historisch bedeutender Forschungsreisen via Internet und Webcam und das tagebuchähnliche Dokumentieren meiner Aktion. Die malerische Visualisierung meiner Reise dient somit der metaphorischen Darstellung des zeitgenössischen Erfahrens der Umwelt. Meine aktuelle Bildserie "expedition series - st. louis to astoria", welche noch weiter wachsen wird, basiert auf einer um 1800 von Präsident Jefferson initiierten Expedition zur Suche nach einem Landweg vom Osten der USA an die Westküste. Lewis und Clark, die Expeditionsleiter führten während der gesamten Expedition Tagebuch. Ihre Aufzeichnungen helfen mir ihre Reise mit Hilfe meines Computers via Webcam nachzuvollziehen. Die auf diese Weise erhaltenen Webcambilder dienen der Vorlage für meine Bildserie. Somit liegst du mit deiner Einschätzung sehr richtig, obwohl ich anmerken möchte, dass ich nicht die "Big Brother"-Situation kritisieren möchte, sondern vielmehr die in Isolation gewonnene völlig objektive und emotionslose Welterfahrung zum Ausdruck bringen möchte. artlout: Dieser historische Aspekt ist sehr faszinierend und in Bezug auf die gegenwärtige Darstellung ergeben sich natürlich zwei vollkommen unterschiedliche Perspektiven, zum einen diejenige, welche real oder sei es via Webcam zu sehen oder gar zu besuchen ist und zum anderen, die vergangene, welche man in Form von Beschreibungen findet, die jetzt ja so nicht mehr existiert. Gibt es dennoch bestimmte Details, welche man heute noch entdecken kann und wenn ja, gibt es an ihnen Veränderungen? Jan Kiefer: Leider ist dies sehr schwer festzustellen. Charakterisierend für meine Bildserie ist die Tatsache, das ich als Autor nur wenig Einfluss auf das eigentliche Motiv habe. Mein Blick kann durch die Betrachtung via Webcam, die Abbildungsgegenstand, Perspektive und Ausschnitt festlegt nur wenig subjektiv ausfallen. Oftmals erfüllen die Kameras einen praktischen Zweck, wie die Beobachtung wichtiger Verkehrsknotenpunkte oder die Dokumentation der Wettersituation, was bedeutet, dass sie auf völlig andere Ziele ausgerichtet sind als diese, die ich zu sehen wünsche; was sehr schade ist, da die Landschafts-Beschreibungen von Lewis und Clark größtenteils faszinierend bildhaft ausfallen. Hinzu kommt, dass die um 1800 noch sehr dünn besiedelten Gebiete heute zum Teil Standort großer Metropolen sind, die das Gesicht der Landschaft zwangsläufig stark prägen. Diese Tatsachen führen dazu, dass sich zwischen meinen Bildern und den historischen Beschreibungen nicht selten große Lücken auftun. ![]() Expedition Series, Bismarck ©jan kiefer Dennoch gibt es Motive die mich in ihrer Stimmung an die Schilderungen des Forschungsteams erinnern; so zum Beispiel das Bild der Stadt Bismarck, welches im Vordergrund einen, die Hälfte des Formates füllenden Baum zeigt und im Hintergrund den Missouririver erkennen lässt. Neben weiteren geplanten, auf Forschertagebüchern basierenden Webcamreisen habe ich allerdings schon zu Beginn der Arbeit an diesem Projekt den Entschluss gefasst diese Reisen auch persönlich anzutreten und bildlich zu dokumentieren, um so der mittels Multimediaequipment erlebten Reise und ihrer Dokumentation eine auf persönlichen Erfahrungen und Eindrücken basierende Bildserie gegenüberzustellen. Leider sind diese Pläne noch sehr unkonkret und aufgrund des großen finanziellen Aufwands nicht so ohne weiteres in die Tat umzusetzen. artlout: Was hast Du denn für Erwartungen an diese Reise? Klischeehaft könnte man ja das spiessige Argument "Wozu soll ich da hinfliegen, ich kann es mir doch im TV anschauen" anführen. Welchen erkennbaren Unterschied erwartest Du wenn Du real an diesen Reisepunkten bist oder sollen nur die Lücken gefüllt werden? Jan Kiefer: Die Formulierung "Wozu soll ich da hinfliegen, ich kann es mir doch im TV anschauen" beschreibt eigentlich sehr prägnant ein Phänomen unserer Zeit, welches mich zu dieser und anderen Arbeiten inspiriert und motiviert. Genau genommen kann ich keinen konkreten Grund nennen, warum es lohnenswert ist die Reisen anzutreten, da kaum abzuschätzen ist, was mich dort erwarten wird. Und gleichermaßen kann eben dies der beste Grund sein, sich auf diese Erfahrungen einzulassen. Da meine Motivation die dortige Umgebung wahrzunehmen von grundlegend anderer Natur sein dürfte als die derer, die für die Übertragung der Webcam-Bilder im Internet verantwortlich sind, werde ich meinen Blick unweigerlich auf Objekte und Details richten, die aufgrund der meist rein praktischen Ausrichtung der Kameras keine Beachtung finden. ![]() Expedition Series, Helena ©jan kiefer Über das Füllen von Lücken hinaus liesse sich als Ziel das Erstellen einer auf persönlichen Erfahrungen basierenden, von Emotionen beeinflussten Bildserie formulieren, die, wenn man so will, einen Blick hinter die Kulissen zulässt. Die Betrachtung meiner aktuellen Bildserie ruft, durch die an Bildschirmdarstellung orienentierter Ästhetik, durchaus die Assoziation Filmstill bzw. Kulisse hervor. Die weitestgehend menschenleeren Bildausschnitte deuten stets Leben an, auch wenn es kaum direkt wiederzufinden ist, was sich maßgeblich auf die Ästhetik der Serie auswirkt. Eine Bildserie, welche auf, von persönlichen Eindrücken bestimmten Dokumentationen beruht, nimmt dem Betrachter die Rolle des Zuschauers und versetzt ihn ins Geschehen, sorgt für Konfrontation. artlout: Ich denke wenn man so einer Reise antritt, welche man vorher schon durch ein Medium wahrgenommen hat, dann wird man aus der Überraschungen nicht herauskommen. Das Bewusstsein, das man nur eine unemotionale Kopie gesehen hat wird einen prägen. Wie ist es mit diesem Verhältnis in der Huntroom Serie? Hast dort erst die Realität gesehen, oder beruhen diese Bilder auch auf die Sicht durch ein Medium? Jan Kiefer: Die Huntroom Serie geht meinen aktuellen Projekten voraus. Ich beschäftige mich mit dem Thema der modernen Kommunikation, welchem ich , wie erläutert, auch meine aktuellen Arbeiten unterordne, bereits seit längerer Zeit. ![]() Huntroom No. 02 ©jan kiefer Um die komplexen Charakteristika einer Gesellschaft in multimedialem Umfeld ermitteln und herausarbeiten zu können, habe ich mich zunächst mit Personen ausgetauscht, die sich den Möglichkeiten der medialen Werkzeuge exzessiver hingeben als der Durchschnitt der Bevölkerung. Hierzu habe ich mich diversen Computerforen angenähert und dort meine Anliegen erläutert, was anfangs leider nur auf wenig Zustimmung von Seiten der "Insider" stieß. Bereits während dieser Recherchearbeiten zur Huntroom Serie suchte ich nach einem historischen Kontext, da in meinen Augen eine Konfrontation von Geschichte und Gegenwart, das Interpretieren Letzterer deutlich erleichtert. So stellten Jagdzimmer, die gewöhnlich mit üppigen Trophäen- und Waffensammlungen ausgestattet waren und einen großen Stellenwert beim Adel des 18. und 19. Jahrhunderts genossen, ein äußerst beliebtes Bildmotiv für meist repräsentative Zwecke erfüllende Gemälde dar. Ich bat die Mitglieder, der von mir besuchten Online-Foren, mir Bilder ihrer Computerarbeitsplätze zuzusenden, ohne Vorgaben den Bildausschnitt oder die Perspektive betreffend zu formulieren. Das mir zugesandte Bildmaterial, diente mir als Vorlage für meine großformatigere Gemäldeserie Huntrooms. Ich denke, medienspezifische Authentizität lässt sich am ehesten transportieren, wenn das Medium selbst in entscheidendem Maße in die Arbeit einbezogen wird. artlout: Der Kontext deiner Arbeiten beruht immer wieder Bezug auf die neuen Medien, sei es die direkte Vorlage oder auch die Recherche. Die Ausführung dieser Arbeiten geschieht aber immer auf traditionelle Weise, der Malerei. Man könnte fast schon sagen in diesem Paradoxon steckt fast schon etwas Zynismus. Ein beabsichtigter Widerspruch? Jan Kiefer: Absolut. Webcambilder werden automatisch generiert und gewöhnlich nimmt eine Kamera in genau definierten Intervallen von wenigen Sekunden immer wieder aktuellere Bilder auf, die die vorangegangenen Aufnahmen ersetzten, was jede Darstellung zu einem vergänglichen Dokument macht, dessen Beschaffenheiten in absolutem Gegensatz zu meinen Umsetzungen stehen. ![]() Huntroom No. 03 ©jan kiefer Die malerische Visualisierung erfordert die Investition einer gewissen Zeit und konserviert den Bildinhalt idealerweise dauerhaft; so ermöglicht mir der Einsatz dieses Mediums die Konstruktion eines Widerspruchs und gleichermaßen die Äußerung einer persönlichen Stellungnahme, ohne jedoch eine offensichtliche Wertung vornehmen zu müssen. Der erhebliche Zeitaufwand zur Umsetzung eines Bildmotivs fordert eine genaue Auseinandersetzung mit dem Abbildungsinhalt und vorhergehende, zielgerichtete Recherchen, die die nötige Arbeitsleistung rechtfertigen. Dieser Aspekt verleiht den dargestellten, eher alltäglichen Szenen ihre Relevanz. Den virtuellen, anonymen Aufnahmen, stelle ich ein greifbares Objekt gegenüber, welchem die Existenz und das gezielte Agieren eines Autoren deutlich anzusehen ist. artlout: Kommt dabei nicht manchmal der Gedanke an Veränderung, wenn nicht gar Manipulation auf? Oder gibt es sogar Verfremdungen gegenüber den Vorlagen deiner Arbeiten? Jan Kiefer: Verfremdungen versuche ich in jedem Fall zu vermeiden, da diese zur Kommunikation der konzeptionellen Grundlage meiner Arbeit nicht wirklich dienlich sind. Manipulierend, im Sinne von beeinflussend, greife ich in der Form ein, als dass ich in einer ähnlichen Rolle, wie der eines Regisseurs entscheide, welche Szenen malerisch umgesetzt und damit Teil meiner Dokumentation werden. Einige wenige Stationen meiner virtuellen Reise zur "expedition series - st. louis to astoria" liessen sich durch mehr als eine Webcam besuchen. In einem solchen Fall entschied ich nach verschiedenen selbst festgelegten Kriterien, welche der Aufzeichnungen meine Bildserie am adäquatesten ergänzt. Eine weitere Möglichkeit der Einflussnahme bot sich in der Berücksichtigung der Tageszeit, zu welcher ich die Webcams aufsuchte. Oftmals besuchte ich ein und die selbe Kamera über einen Zeitraum von mehreren Tagen in Abständen von einigen Minuten wieder und wieder, um so Aufnahmen von Objekten in verschiedensten Wettersituationen und zu unterschiedlichen Tageszeiten zu erhalten. Die Atmosphäre der jeweiligen Bilder änderte sich unter den variierenden Lichtverhältnissen teilweise erheblich und verhalf mir damit zu beachtlichem Spielraum. Ziel der malerischen Umsetzung der jeweiligen Vorlage ist sicherlich diese möglichst treffend zu bearbeiten und wiederzugeben. artlout: Die malerische Umsetzung der Webcamaufnahmen schafft aber auf jeden Fall einen intensiveren Blick . Ich bezweifle das der normale Konsument der originalen Webcambilder sich so mit der gesamten Atmosphäre und den Details auseinandersetzen wird wie wenn er sie durch deine malerische Umsetzung betrachtet. Der Konsum wird dadurch natürlich langsamer und bewusster, ein Fakt, welcher in unserer "fast moving World" immer weiter zurückgedrängt wird. Würde man dies auf die Spitze treiben könnte man sagen deine Bilder sind Fluchtpunkte aus Stress und Hektik, sie vermitteln Stillstand und schüren die verschiedensten Gedanken. Gibt es bestimmte Gedanken die du dem Betrachter vermitteln willst, oder welche er empfinden soll? Jan Kiefer: Zum einen bin ich, wie du bereits in der Frage formulierst, darum bemüht den Betrachter zu einer Auseinandersetzung mit meinen Arbeiten zu motivieren, was durch die malerische Umsetzung sicherlich erleichtert wird; aber niemals ihre alleinige Rechtfertigung sein kann. Deshalb ist der, in der vorletzten Antwort behandelte Aspekt für mich von deutlich größerer Bedeutung. So ermöglicht die malerische Umsetzung die Gegenüberstellung von Tradition und Novität, ohne Deutungsspielräume zu nehmen. Stellt sich der Betrachter die Frage, warum ich Bilder moderner Kommunikationsmedien zitiere und malerisch umsetze und welche Kriterien die Auswahl der Motive reglementieren, hat er bereits den richtigen Zugang zu meiner Arbeit gefunden. Da jeder Rezipient auf eigene Erfahrungswerte und Erinnerungen zurückschaut, die zum Abgleich mit dem Betrachteten hinzu gezogen werden, und zu völlig unterschiedlichen Assoziationen führen können, ist die Auslösung von Empfindungen kaum zu steuern oder vorherzusehen. ![]() Expedition Series, St. Charles ©jan kiefer Den Arbeiten der "expedition series" ist eine mehr oder weniger melancholische Grundstimmung und die Menschenleere gemein; beides hat in entscheidendem Maße zur Auswahl der jeweiligen, umgesetzten Vorlagen beigetragen. artlout: Diese offen Empfindungen sind natürlich ein ganz besonderer Reiz, da man sich in deine Arbeiten sehr integriert fühlt. Noch eine Frage zu der Herangehensweise an die Vorlagen, kennst du schon den genauen Weg wo dich die Serie hinführen wird, oder lässt du dich treiben und arbeitest dich von Motiv zu Motiv? Jan Kiefer: Beides trifft in gewisser Weise zu. Zum einen geben mir die Tagebucheinträge der Expeditionsleiter Lewis und Clark einen Reiseweg vor, dem ich virtuell folge und welchen ich malerisch dokumentiere. Somit ist mit ihrer letzten Reisestation "Astoria" nahe der Westküste der USA auch das Ende meiner Bildserie und ein Ziel meiner ersten "expedition-series" vorformuliert. Zum anderen suche ich den nächsten Ort via Webcam erst auf, nachdem ich die Arbeit am vorangegangen Motiv weitestgehend beendet habe. Dies ermöglicht mir auf schon fertig gestellte Arbeiten zu reagieren und die Einzelbilder der Serie aufeinander abzustimmen. Dieses Vorgehen ist zudem jenes, welches sich am besten mit dem konzeptionellen Grundgedanken meiner Arbeit verträgt. ![]() Expedition Series, Williston ©jan kiefer Um die Reise des Forscherteams adäquat nachvollziehen zu können ist es von großem Vorteil den genauen Reiseverlauf nicht zu kennen, da dies die Auseinandersetzung mit jedem Einzelmotiv nachhaltig beeinflussen, prägen und möglicherweise stören würde, was ich unbedingt zu vermeiden versuche, da ich jede Station unvoreingenommen und ohne den weiteren Reiseverlauf zu kennen zu behandeln beabsichtige. artlout: Bist du schon jemals von dem von Lewis und Clark vorgegebenen Weg abgekommen? Real wäre dies ja ohne weiteres möglich, wenn man in der Ferne ein anderes Ziel erkennen würde. Ist so etwas direkt medial überhaupt möglich? Jan Kiefer: Möglich ist das auf jeden Fall, da ich viele Webcams durch Onlineverzeichnisse der einzelnen US-Bundesstaaten ausfindig mache, die neben den für mich relevanten Webcams auch unzählige andere auflisten. Viel versprechende Motive schaue ich mir durchaus an und speichere sie in der Regel. Darüber hinaus fällt es mir allerdings nicht wirklich schwer, mein eigentliches Konzept und Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. artlout: Welche Ziele nimmst du in nächster Zeit in Angriff, was haben wir von Jan Kiefer in naher Zukunft zu erwarten? Jan Kiefer: Ich arbeite zurzeit an den letzten Bildern zur "expedition series - st. louis to astoria". Nach dieser ersten "expedition series" sind definitiv weitere geplant, für welche ich bereits mit Recherchearbeiten begonnen habe. Des Weiteren versuche ich mich in aktuellen Nachforschungen verstärkt dem Menschen in seiner multimedialen Umgebung anzunähern, um anschließend für diese Beziehung einen entsprechenden Ausdruck zu finden. So führen mich weitere Beobachtungen zur Annahme, dass das mediale bzw. digitale Erleben der Umwelt oftmals die Sehnsucht nach physisch spürbaren Erfahrungen weckt. Dieses Phänomen manifestiert sich beispielsweise in zahlreichen auf diversen Privatsendern ausgestrahlten zum Teil recht skurrilen Auswanderer-Dokusoaps, die sich offensichtlich einer großen Zielgruppe erfreuen und ebenfalls einen Ausgangspunkt meiner momentanen Arbeit bilden. Eine Art Vorschau auf geplante Bildserien bietet die exklusiv für "artlout" entstandene Edition. Ein großes Ziel ist somit auf jeden Fall, mich konzentriert mit meiner Arbeit auseinanderzusetzen. Aus diesem Grund werde ich Anfang Oktober für einige Monate nach Kanada ziehen, um mich dort vollkommen und ohne Ablenkung meinen geplanten Projekten widmen zu können. Nach der Rückkehr werde ich mich nächstes Frühjahr intensiv nach Möglichkeiten umschauen, meine aktuellen Arbeiten und die, in den kommenden Monaten entstehenden Serien, ausstellen zu können. |
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