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Dana Mueller
Interview artlout: Zuerst einmal vielen Dank schonmal im Vorraus fuer das Interview. Deine Motive sind alle thematisch sehr von Deutschland bzw. Ostdeutschland geprägt. Immer wieder entdeckst Du deutsche Historie und deutsche Spuren. Was lässt Dich diese Wurzeln immer wieder erkennen, gerade weil Du ja in den USA studiert hast und seit 15 Jahren dort lebst? Dana Mueller: Vielen Dank, Kevin, dass Ihr mich zu diesem Interview eingleaden habt. Die Konzepte meiner Arbeiten beziehen sich auf die Geschichte unseres Landes, die Geschichte des 20. Jahrhunderts, die uns Deutsche aussergewoehnlich gepraegt hat. Du hast Recht, dass die Tatsache, dass ich emigrierte und seit Jahren in den USA lebe, einen Bezug zu meinen Arbeiten hat. Als Emigrant, und ich denke, dass da eine kollektive Erfahrung aller Emigranten besteht, lebt man staendig in zwei Welten. Die fruehe Erfahrungen, in der ich in meiner Kindheit in Thueringen, Ostdeutschland lebte. Politisch und sozial hat das einen bestimmten Hintergrund. Ausserhalb des politischen und sozialen Systems wuchs ich in einem Dorf auf, wo die Natur und das Land mich sehr beeindruckten und ich ein relativ 'freies' naturbezogenes Aufwachsen erlebte. Diese Erinnerungen waren ebenfalls durch das Erzaehlen meiner Grossmuetter ueber deren Lebenserfahrungen, besonders die von der Vor-, Waehrend- und Nachkriegszeit gepraegt waren. Diese Erzaehlungen praegten sich tief in mein junges emotionales und mentales Sein ein, vorallem weil diese Schicksale intensiv menschlich waren. Mit menschlich meine ich, das sie im Kontrast zu dem standen, was unsere politische Erziehung (damals in der DDR) uns mitteilte. Die 'Erziehung' ueber den Holocaust und den deutschen Faschismus, wurde staendig politisiert, 'Faschismus war ein Resultat des Kapitalismus,' 'Kommunismus rettete uns von dem Faschismus'. Diese simplistischen Einstellungen haben uns Deutsche im Osten nichts Gutes getan. Im Gegenteil, wir, oder die Nachkriegsgeneration meiner Grosseltern und Eltern haben uns somit ueberhaupt nicht mit der Schuld und Verantwortung dieser Zeit auseinandergesetzt. Jedoch auf der persoenlichen/ individuellen Ebene, durch diese persoenlichen Erzaehlungen, konnte ich erkennen, das wir eine viel kompliziertere Historie hatten, dass Nazis aus unserem Dorf kamen, einige davon Kommunisten wurden als sich die Situation aenderte, die meisten Leute einfach nur ueberleben wollten und nichts mit Poltik und dem Krieg zu tun haben wollten, dass viele Frauen von den Russen vergewaltigt wurden, usw. Diese tiefgreifenden Erfahrungen und spezifischen Erinnerungen wurden verschwiegen wenn es zu der kollektiven Aufarbeitung dieser Zeit kam. Nicht zu erwaehnen die individuelle Verantwortung gegenueber dem Holocaust/ der Massenvernichtung. Noch heute kann ich mich daran erinnern, dass ich als Schulkind meinen Lehrer fragte, "Was ist ein Jude? Warum die Juden?". Er konnte mir nicht antworten und das Judentum erklaeren oder das Konzept der Nazi-Hetze erlaeutern. Es war als wenn eine Amnesie in Bezug auf die Verantwortung unserer persoenlichen Verwicklungen zu dieser Zeit herrschte, und nur politisch, mehr oder weniger abstrakt, damit umgegangen wurde. Natuerlich verstand ich all das ueberhaupt nicht waehrend meines Aufbringens in Ostdeutschland. Erst als ich mein Land verliess--und das soll nicht heissen das man sein Land velassen muss, um es zu verstehen--verstand ich einige Dinge besser in Beziehung zu meiner eigenen Vergangenheit und die historischen Zusammenhaenge. Als Emigrant hat man Abstand zu der Kultur seiner Heimat, man spricht eine andere Sprache und ist staendig mit anderen Einstellungen und Mentalitaeten konfrontiert. Man integriert so weit wie es geht, aber schwebt immer zwischen zwei Identitaeten—, nicht vollkommen Amerikanisch und nicht mehr vollkommen Deutsch. Es existiert eine staendige Verhandlung, sozusagen, zwischen dem Verlangen ‘zu gehoeren’ und dem Verlangen seine eigene Identitaet, nicht zu verlieren. “Vom Osten’ zu kommen ist nochmals ein weiterer Grad der Differenzierung. Ich war 18 Jahre als die Mauer fiel und mit 21 verliess ich Deutschland. Meine komplette Erinnerung und Identitaet zu meiner Heimat bezieht sich auf die Zeit in der DDR. Aber um darauf zurueckzukommen, warum ich nach deutschen Spuren suche und, wie Du sagst, Wurzeln entdecke, hat genau mit dem Verlangen zu tun seine eigene Identitaet zu erkennen, zu verstehen und versuchen zu definieren. Und zu dieser Identitaet gehoeren die historischen, meist komplizierten Hintergruende—. Diese beziehen sich sowohl auf eine persönliche Vergangenheit, wie auch auf die kollektive Vergangenheit eines Landes, meines Landes. ![]() Randgebiert Lager Edwards (outskirts of Camp Edwards), Massachusetts Military Reservation, Upper Cape Cod, Massachusetts 2007 ©dana mueller artlout: Oft nimmt man an, das Emigranten sehr stark an ihrer Kultur und Abstammung festhalten, und diese Kultur kaum einem Aenderungsprozess bzw. einem Fortschritt unterliegt, wie er in der Heimat vonstatten geht. Die Zeit scheint da still zu stehen und deshalb bezieht sich die Besinnung auf die Ursprüngliche Heimat immer auf die Geschichte. Gerade die deutsche Geschichte ist da natuerlich spektakulär, positiv und negativ. Wenn Amerikaner an Deutsche denken, denken sie wohl auch oft an das Dritte Reich. In bestimmten Arbeiten, ich denke da an Arbeiten wie Randgebiet Lager Edwards (outskirts of Camp Edwards) oder Aussichtsturm (lookout tower), verbindest Du deutsche und amerikanische Geschichte. Ist das eine persönliche Verarbeitung? Ist es das Suchen nach Verbindungen zwischen den Kulturen in denen Du dich bewegst? Und vorallem wie reagieren die Amerikaner auf diese "Zusammenführung"? Dana Mueller: Das ist eine sehr gute Frage. Ich wuerde meine Absicht in den Arbeiten nicht als eine Suche nach den Verbindungen dieser zwei Kulturen beschreiben. Ich bin daran interessiert was passierte als Deutsche eine Landschaft besetzten oder sich in einer Landschaft befanden: das heisst zu leben, zu arbeiten, zu marschieren, zu toeten, zu sterben, zu ueberleben, usw. und das in Bezug auf die menschlichen Erfahrungen die daraus entstehen. Wenn ich diese Landschaften fotografiere, in welchen zum Beispiel deutsche Soldaten hier in Massachusetts in Gefangenschaft waren, denke ich ueber die Ironie nach, dass die deutschen Gefangenen in den Felder arbeiteten, Aepfel pflueckten und die Landschaft fuer den Amerikaner, der der Feind war, hegten. Die Banalitaet der Ausuebung von solch ‘pflegender’ Arbeit steht in Kontrast mit den zerstoerenden Handlungen der Nazis in Europa. Das meine ich zum Beispiel in Bezug zu Hitler’s ‘"Politik der verbrannten Erde",’ als deutsche Soldaten in der ganzen oestlichen Front Felder, Haeuser, ganze Ernten verbrannten, um alle Ressourcen zum Ueberleben der Russen zu vernichten. Eine Art Vergewaltigung des Landes und eines Volkes, das von den Deutschen besetzt wurde. Ich denke ich bin an diesen Kontrasten interresiert. Wenn ich diese Landschaften fotografiere, versuche ich diese Kontraste visuell wiederzugeben. Das ist oft schwierig, zumal die Spuren dieser Erfahrungen nicht sichtlich sind. Die Reaktionen der Amerikaner sind unterschiedlich. Viele wussten nicht, dass es Kriegsgefangenlager fuer deutsche Soldaten in den Staaten gab (mich miteingeschlossen). Die meisten wissen von der Existenz der umstrittenen japanischen Lagern, die zum groessten Teil im Westen der USA gehalten wurden. Wenn sie meine Bilder sehen deckt das fuer sie eine Episode ihrer eigen Historie auf mit der sie nicht so vertraut sind. Ich moechte hinzufuegen, dass die deutschen Soldaten recht gut behandelt wurden, so weit wie ich das in meinen Recherchen feststellen konnte. Natuerlich gab es Ausnahmen. Ich hoffe, dass neben der eigentlichen historischen Tatsache, dass diese Lager in diesen Landschaften existierten, die Bilder zusammengefasst ebenfalls einen Nachsinn erwecken. Gerade im Bezug auf die aktuellen Ereignisse im Iraq. Fuer die Amerikaner war der Zweite Weltkrieg ein gerechter Krieg. Fuer viele amerikanischen Buerger wurde der Krieg in Iraq (sowie der Krieg in Vietnam es war) ein unnoetiger und katastrophaler Fehler auf poltischer, moralischer und menschlicher Ebene. Ignoranz, Gleichgueltigkeit und Passivitaet im Generellen fuehrten zur Ausuebung dieser Fehler. Auch wenn es viele Europaer wahrscheinlich nicht wahr haben wollen, aber die meisten Amerikaner, die ich hier kennegelernt habe sind ueber diesen Ausgang zu tiefst beschaemt. Ich vergleiche hiermit nicht das dritte Reich mit der Amerikanischen Regierung, das waere naiv und toericht, sondern ich stelle einfach Krieg selbst in Frage und wie wir in unserer zeitgenoessischen Gesellschaft immer wieder Krieg als Mittel zum Zweck verteidigen ohne wirklich dessen Bedeutung zu begreifen. Man vergisst. ![]() Überwucherter Startstreifen (former landing strip), Camp Edwards, Cape Cod, Massachusetts 2007 ©dana mueller artlout: Deine Arbeiten weisen immer etwas Herkömmliches auf. Es wird eine Banalität erzeugt, die, auch wenn wir es wahrscheinlich nicht begreifen können, in dieser Zeit etwas alltägliches war. Wir kennen nur komprimierte Geschichte, Zahlen und Daten strömen auf uns ein, sämtliche Geschehnisse verarbeiten wir medial in wenigen Minuten und Stunden. Deine Arbeiten geben auch das Dazwischen wieder. Sie stellen das was die Handlung umgibt dar und dann fügt der Betrachter, geleitet vom Titel seine eigenen geistigen Bilder in deine Arbeit. Das ist ein unmittelbares Lenken und Leiten des Betrachters. Ist das nur ein Ergebnis, was zufällig entsteht oder ist es ein Effekt den du bewußt wählst? Dana Mueller: Du erkennst das richtig. Die Banalitaet des Krieges wird nie in den Geschichtsbuechern geschildert. Und mit Banalitaet verbinde ich die ‘Normalitaet’ in denen sich Kriege entfalten koennen, und was etwas gefaehrliches hat. Es ist schwer zu beschreiben. Doch wie Du erwaehnst, die Geschehnisse, Zahlen, Zeitperioden sind linear, gefiltert und sachlich festgehalten, und das hat seinen Zweck bis zu einen bestimmten Punkt. Wir brauchen das Archiv um uns auf irgendeine Weise auf unsere Vergangenheit zu beziehen. Die gefilterte und sachliche Abarbeitung der Historie hat jedoch seine Nachteile. Man erfaehrt eine bestimmte Distanz zu den eigentlichen Geschehnissen, die Ereignisse werden zugleich vereinfacht und abstrakt dargestellt und liegen in der Vergangenheit fest. Aus diesem Grund, denke ich, ist es fast unmoeglich von der Geschichte zu lernen. Milan Kundera stellt in seinen Buch 'Das Buch vom Lachen und Vergessen' ganz weise fest, das es keine Lektionen in der Geschichte gibt. Die Fotografie in ihrer jungen Geschichte wurde und wird noch heute als Dokument oder Beweismittel benutzt, um Zeugnis zu tragen. Die Limitationen der Bewahrung unserer Vergangenheit in Geschichtsbuecher und Archiven sind ebenfalls die Limitationen einer Fotografie. In einem Foto wird ein Moment innerhalb einer Sekunde festgehalten; was zur gleichen Zeit ausserhalb des Bildes geschah, oder was davor oder danach geschah ist dem Betrachter enthalten. Ein Foto ist immer eine begrenzte Ansicht. Die Fotografie beschreibt den Moment nicht den Kontext und somit identifiziert man ihre Unfaehigkeit voellig zu beschreiben oder festzuhalten. Dies betont die Abwesenheit was sichtlich sein sollte, was ironisch ist, da Fotografie voellig mit ‘Sehen’ verbunden ist . Oft ist das, was wir nicht sehen, was unseren Wunsch zu Verstehen aufrecht erhaelt. Und deswegen wurden diese Fotografien aufgenommen, wegen des unersaettlichen Wunsches zu Verstehen. Und was nicht sichtlich ist oder die Banalitaet der Momente in meinen Arbeiten betonen diese Kontraste konzeptionell sowie fotografisch. Banalitaet im Kontext zum dritten Reich nimmt einen weiteren, wirklich schrecklichen Aspekt an. Hannah Arendt beschreibt in ihrem Buch “Die Banalitaet des Boesen,” mit welchen sie Eichmann’s Handlungen innerhalb des Nazi Aparatus charakterisiert (er war der Architekt von Hitler’s “Endlösung”), dass Eichmann’s bereitwillige Beteiligung am Voelkermord nur durch eine Abwesenheit oder sogar Ausfall seiner Fakultitaet des Denkens und des Urteilens moeglich war. In anderen Worten, die menschlichen Dimensionen seiner Handlungen wurden nicht unterhalten, welche wie eine (banale) buerokratische Leistung abgehandelt wurden. Jeder tat es, systematisch und wirksam und somit wurde die Verantwortung fuer Eichmann und diese Deutschen entladen. ![]() Youth from Moscow, arrived one week prior, 2000 ©dana mueller artlout: Ich behaupte, das die Schwarz-Weiss-Fotografie ein bewusstes stilistisches Mittel deiner Arbeiten ist. Wenn ich an Bilder dieser Zeit denke oder auch real vor mir sehe, so sind diese immer schwarz weiss. Färbst du hier bewusst die Geschichte in ihre Farben der zeitgenössischen Wahrnehmung? Diese Farblosigkeit schafft ja auch immer einen gewissen Abstand. Hat diese schwarz weiss Annäherung eher einen speziellen Bezug zum Motiv oder ist es deine künstlerische Sicht, ungeachtet des Motiv? Dana Mueller: Die Bilder bauen eine Beziehung zu der Vergangenheit auf. Archivbilder und -filme von dieser Zeitperiode sind schwarz/ weiss und die Tatsache. dass die Fotografien in unserer Gegenwart aufgenommen wurden, hat einen interessanten Effekt. Wie Du sagst, diese stilistische Wahl der schwarz/ weiss Bilder schafft auch einen Gewissen Abstand, den Abstand zu unserer Vergangenheit, das Wissens (oder Unwissen) darueber. Das Bild selbst wird zu Objekt der Vergangeneheit egal wann es aufgenommen wurde. Es kommt immer auf den Kontext und Inhalt der Fotografien an, dass bestimmt welchen Film oder Kamera ich benutze. Im Generellen arbeite ich mit den traditionellen Prozessen der Fotografie, Film und Silver Gelatin Papier. Die Pinhole (Loch-) Kamera war am Anfang ein sehr wichtiges Instrument aus einfachen Gruenden: die primitive Eigenschaft der Lochkamera (eine Box ohne Linse) wo das Licht von dem Subjekt/ Objekt reflektiert wird und ein Bild in der dunklen Box erscheint (Camera Obscura)--dieses physikalische Phaenomen der Fotografie (das uebersetzt ja "schreiben mit Licht" bedeuted) hat fuer mich etwas magisches und mysterioeses, welche meine Faszination mit der Fotografie nie erschoepfen laesst. Diese Empfindung mit dem phenomenalen Element der Fotografie fuehle ich am akutesten mit der Lochkamera, eine direkte Ablichtung der realen Welt--oder einer Realitaet--wo nichts zwischen meinem Film und der Landschaft steht--nur eine Oeffnung vorhanden ist, das durch das Licht ein Bild dieser Realitaet erstellt. Diese einigermassen primitive und 'one-on-one' Ansicht wurde ein Metaphor fuer meinen konzeptionellen Prozess. Meine Investigation (Untersuchung) ueber unsere Verbindung mit dem Land/ Heimat-land/ Landschaft und was das bedeuted fuer mich als Individual und als Deutsche, und Ost-deutsche bezogen zu der Geschichte unseres Landes--diese unmittelbare Investigation wollte ich mit einem direkten unmittelbaren Prozess der Fotografie durchfuehren (so weit das moeglich war). Die Eigenschaft der Lochkamera-Bilder ist das einer Erinnerung oder Erinnerungen. Die Eigenschaft der unmittelbaren Ansicht sowohl wie die Verweisung zu individueller und kollektiver Erinnerung und der Archivierung waren die Hauptgruende warum ich die Lochkamera benutzte. In den letzten zwei Jahren habe ich exclusiv mit der Large Format Kamera gearbeitet, die Bilder haben das Gefuehl der Erinnerungslandschaft deswegen nicht verloren, sind aber schaerfer und klarer gworden. Ausserdem habe ich kuerzlich ebenfalls Videoarbeiten erstellt, die sich auf die Buecherverbrennungen beziehen. Diese sind in Farbe aufgenommen und sind viel mehr in der Gegenwart situiert. Das war eine wichtiger Marker in meinem Prozess, und ich werde beide Medien in der Zukunft anwenden. ![]() Luxury condos, 2001 ©dana mueller artlout: Ein etwas älterer Zyklus von dir sind die "Exile Brighton Beach"-Arbeiten. Diese Arbeiten zeigen Einwanderer, die scheinbar nicht in die "Amerikanische Welt" passen. Du selbst zählst ja zu den Einwanderern, was verbindet dich mit diesen Personen und wie ist dieser Zyklus entstanden? Dana Mueller: Als ich zum ersten mal nach Brighton Beach in Brooklyn kam, war es als dass ich ploetzlich in eine andere Zeitperiode schritt. Brighton Beach befindet sich am suedlichsten Punkt in Brooklyn, New York, gleich neben Coney Island und Raritan Bay am Atlantik. Waehrend der siebziger Jahre erfuehr diese Umgebung nach einer erschuetternden wirtschaftliche Rezession in den 50ern und 60ern Jahren einen Aufschwung durch die Ansiedlung von meist Russisch-Juedischen Immigranten, die waehrend Sowjetzeiten unterdrueckt wurden. Dann in den 80ern liess Breschnev viele Dissidenten sowie herkoemmliche Kriminelle aus sowjetischen Gefaengnissen auswandern und da Brighton Beach hauptsaechlich eine russisch sprechende Siedlung war, schlossen sich diese neuen Immigranten dort an. In den 90ern kamen natuerlich viele wirtschaftliche Immigranten nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Heute ist Brighton Beach einer der groessten Immigrantenkommune in New York. Wie gesagt, als ich das erste mal in diese Kommune eintraf, befand ich mich in einer voellig anderen Kultur, wo die Sprachen und Gesichter von Osteuropaeischer Abstammung waren. In den Laeden gab es russische Zeitungen, Magazine, Lebensmittel. In den Restaurants wurden traditionelle russische Male angerichtet und in den Theatern Ballett forgefuehrt und in den Buchlaeden russische Dichtung und Poesie verkauft. Am Anfang fand ich mich als ehemalige Ostdeutsche an diese osteuropaeische Mentalitaeten angezogen aber zur gleichen Zeit fuehlte ich mich fremd und offensichtlich als Aussenstehende, es war nicht meine Kultur. Ich war fasziniert von diesem Platz, das komplett isoliert von der Amerikanischen Gesellschaft existierte. Ausserdem hatte ich durch mein Aufwachsen in der DDR einen gewissen Stereotyp der Russen entwickelt. Ich war denen eher abgeneigt. Ploetzlich befanden wir uns nun in diesen fremden Land in einer aehnlichen Situation. Daraufhin, wollte ich die Menschen wirklich kenn elernen, ohne die politische Verbindung. Ich war daran interessiert, warum der einzelne sein Mutterland verliess, was das bedeutet und welche Konsequenzen dieser Abschnitt hat und wie man sich an eine neue, fremde Kultur anpasst oder wie man dem wiedersteht. Ich lernte Menschen jeglichen Jahrganges, jeglicher Religion und Berufes, jeglicher Vergangenheit, Gutmuetigkeit und des Uebrlebens kennen. Brighton Beach ist wirklich eine Kreuzung von allen moeglichen russischen Kulturen, die hier auf kleinen Raum ihre Traditionen und Identitaet aufrecht erhalten wollen. Es ist ein Exil, in dem man in der Vergangenheit leben kann. Die Kommune selbst hat sich in den letzten Jahren drastisch geaendert und wenige verdienen mit dubiosen Geschaeften viel Geld, waehrend die meisten sehr hart arbeiten muessen fuer wenig. Der Fakt, dass sich viele wenig ausserhalb Brighton Beach integrieren koennen, hat ebenfalls seine Probleme. |
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