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Peter Kogler

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Peter Kogler

Der österreichische Multimediakünstler Peter Kogler gilt als Pionier computergenerierter Kunst. Mit einer beeindruckenden 360-Grad-Multiprojektion lässt der zweifache documenta-Teilnehmer vom 1. Juli bis 12. September 2010 in der Schirn einen illusionistischen Raum entstehen, der den Betrachter völlig in seinen Bann zieht. Linien eines gleichmäßigen Gitternetzes verlieren ihre festen Koordinaten und dehnen sich zu einem Formenspiel amorpher Figuren aus.



OHNE TITEL, 2010
    Mehrfachprojektion, Ton, Loop
Sound: Franz Pomassl
Installationsansicht Schirn Kunsthalle Frankfurt
Fotografie: Norbert Miguletz
© Schirn Kunsthalle Frankfurt/Miguletz



Alle projizierten Elemente unterliegen einer permanenten Transformation ihrer spezifischen Struktur und bringen so den Raum visuell zum Schwingen. In die Vibration des Raumes mischen sich Klangelemente des Soundkünstlers Franz Pomassl. Der Klang, der auf selbstgefertigten Gerätschaften und Instrumentarien aus der Messtechnologie und anderen Forschungsbereichen entsteht, wird in der Installation Koglers zu einem skulpturalen Erlebnis. Der Betrachter hat das Gefühl, den Boden unter den Füßen zu verlieren.
Die Ausstellung wird durch die Nomura Bank (Deutschland) GmbH unterstützt.
Der 1959 in Innsbruck geborene und in Wien lebende Multimediakünstler Peter Kogler hat im Lauf der vergangenen zwanzig Jahre unsere Wahrnehmung des Ausstellungsraums grundlegend verändert, indem er diesen als integralen Bestandteil seiner künstlerischen Arbeit etabliert hat. In seinen installativen Werken werden die drei Dimensionen des Raums zur Bildfläche: Organische Formen, Rohrleitungen oder Geflechte überziehen in Form von Siebdrucktapeten oder Projektionen Fassaden, überwuchern Wände und bemächtigen sich des Bodens. Wie kaum ein anderer Künstler der Gegenwart findet Kogler damit prägende Bildcodes für unsere zunehmend von Datenströmen und elektronischen Wegen bestimmte Welt und verbindet diese Visualisierung mit einer körperlichen Erfahrung von Desorientierung.



OHNE TITEL, 2010
    Mehrfachprojektion, Ton, Loop
Sound: Franz Pomassl
Installationsansicht Schirn Kunsthalle Frankfurt
Fotografie: Norbert Miguletz
© Schirn Kunsthalle Frankfurt/Miguletz



In der Schirn wird auf die vier Wände eines rechteckigen Raumes mithilfe von 12 Projektoren eine synchrone, ineinander übergehende Bildanimation projiziert, aus deren zunächst streng geometrischen Gitternetzen sich amorphe Strukturmuster entwickeln. Für den Betrachter entsteht der Eindruck, dass sich die festen Koordinaten des Raumes auflösen und die Wandflächen zu organischen Bewegungen verflüssigen. Die akustischen Elemente des österreichischen Soundkünstlers Franz Pomassl erweitern die visuelle Wahrnehmung des Raumes um ein eindringliches Tonerlebnis. Der Betrachter wähnt sich inmitten einer audio-visuellen Superstruktur, die den Raum, in dem er sich bewegt, aufzuheben scheint.
Ab 1999 entstehen erstmals Videos und Projektionen aus am Computer veränderten und bearbeiteten Bildern. Diesem performativen Akt der Übertragung des Zweidimensionalen in einen dreidimensionalen Raum geht eine stetige Transformation des künstlerischen Schaffensprozesses voraus: Ende der 1970er- und Anfang der 1980er-Jahre behauptete sich in Wien eine junge Gruppe von Künstlern mit postperformativen Arbeiten gegen die übermächtige Präsenz der jungen wilden Malerei. Koglers Performance „5-minütige Ausstellung“ von 1979, in der er im Kopfstand und mit im Lotussitz verschränkten Beinen unbekleidet über fünf Minuten im Licht eines Baustrahlers mit seiner Körperhaltung die Form und Kontur einer Zimmerpalme imitiert, formuliert bereits die Bedeutung des Gestisch-Zeichenhaften in seinem Werk und markiert den Beginn der Ausstellungstätigkeit des jungen Künstlers.
Die bekannten Motive der Ameise, der Röhre oder des Gehirns zählen seit Beginn der 1980er- Jahre zum konsequenten Vokabular von Koglers Arbeiten, das er systematisch in seinen Bildfindungen anwendet. In ihnen spiegelt sich eine Auseinandersetzung mit der in den 1970er- und 1980er-Jahren populären Zeichentheorie wider. Durch sie lassen sich Bedeutungen und Funktionen von Information und Informationsflüssen vermitteln. In ihnen findet Kogler aber auch ideale Metaphern für jene Korrespondenzen, die zwischen Individuum und gesellschaftlichem Kollektiv zum Ausdruck kommen. Ameise, Röhre und Gehirn sind maximal polyglott. Sie sind auf ihre Weise klare und universale Zeichen. Die zunächst als Zeichnung und Kartonobjekte realisierten Motive überträgt Kogler nach seiner Rückkehr von einem Aufenthalt in Los Angeles Anfang der 1990er-Jahre in den Raum. Als er 1992 von Jan Hoet eingeladen wird, die Eingangssituation der documenta IX zu gestalten, erfährt das Motiv der Ameise auf eine Tapete gedruckt die erste Übertragung in den dreidimensionalen Raum.



PETER KOGLER, 2008
    Fotograf: Axel Martens
Courtesy Peter Kogler/Axel Martens
© Axel Martens



Im Jahr 1995 entwickelte Peter Kogler für eine Ausstellung in der Wiener Sezession ein beeindruckendes Environment: ebenfalls auf Tapeten gedruckt, verteilten sich schwarzweiße Röhren in verschiedenen Ausformungen über die Wände des Ausstellungsraums. In der Verteilung der Röhren, ihrer Kreuzung und Überlagerung und ihrem An- und Abschwellen war es für den Betrachter kaum möglich, den Raum in seinen architektonischen Grenzen visuell zu erfassen. Alle Koordinaten schienen ineinander überzugehen und verschiebbar geworden zu sein. Gleichzeitig schufen die Sparsamkeit und Präzision der Elemente eine eigentümlich nüchterne und zugleich hochästhetische Atmosphäre. In der radikalen Wiederholung eines einzigen Bildzeichens gelang Peter Kogler die visuelle Überwindung der architektonischen Grenzen des Raums sowie die Entwicklung eines für jedermann verständlichen Zeichensystems.
In den folgenden Jahren übertrug Kogler das System auch auf den Außenraum. Bei Fassadengestaltungen, unter anderem an einem Parkhaus des Wiener Flughafens (2005) sowie bei Großprojektionen und Animationen an Gebäuden im Rahmen der Pariser „Nuit Blanche“ (2004) oder am Schauspiel Frankfurt (2002), variierte Kogler seine Motive zu immer neuen Strukturen. Ähnlich wie bei den Arbeiten im Innenraum lösen sich auch hier architektonisch-bauliche Grenzen förmlich im All-over der Fassadengestaltungen und Projektionen auf und lassen eine neue visuelle Erfahrung entstehen. Die in der Schirn gezeigte Projektion „Ohne Titel“ wurde ursprünglich für die Kogler-Retrospektive entwickelt, die 2008 im MUMOK in Wien gezeigt wurde.
Seit 1979 stellt Peter Kogler seine Werke national wie international aus, zuletzt unter anderem im MUMOK, Wien (2008), bei der 50. Biennale di Venezia (2006), im MoMA, New York (2006), bei der Shanghai Biennale (2006) oder im Kunsthaus Bregenz (2000). Mit seinen Rauminstallationen nahm Peter Kogler zweimal an der documenta in Kassel teil (1992, 1997) und bespielte im Rahmen der 46. Biennale di Venezia (1995) den österreichischen Pavillon. Von 1993 bis 2006 lehrte Peter Kogler an der Akademie der bildenden Künste Wien. Seit 2008 leitet er die Grafikklasse an der Akademie der bildenden Künste in München.
Der österreichische Soundkünstler Franz Pomassl studierte unter anderem bei Arnulf Rainer an der Akademie der bildenden Künste in Wien und bei Peter Kogler an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien. Mit seinen Klangexperimenten lotet der Künstler die Grenzen des menschlichen Gehörsinns und der akustischen Wahrnehmung mit dem Ziel der Erweiterung der menschlichen Hörerfahrung aus. Seine Arbeiten umfassen elektronische und digitale Experimente in Form von architektonischen Klangräumen, Performances und Arbeiten für den Rundfunk. In seinen Installationen konstruiert er mittels raumverfremdender Anlagen Räume, die den Besucher so mit Klang einhüllen, dass dessen Fähigkeit, den eigenen Standpunkt im Raum auszumachen, infrage gestellt wird. Soundinstallationen Franz Pomassls wurden unter anderem in der Ausstellung „Frequenzen [Hz]. Audiovisuelle Räume“ der Schirn Kunsthalle Frankfurt (2002), in der Wiener Sezession (2001), im Kunsthaus Bregenz (2000) oder im P.S.1 Contemporary Art Center, New York (2000) präsentiert.
Mit überdimensionalen Projektionen und Wandarbeiten hat der österreichische Multimediakünstler Peter  Kogler in den vergangenen zwanzig Jahren ein neues Verständnis des Ausstellungsraums etabliert.  Seine Arbeiten bespielen nicht einfach den jeweiligen Raum: Sie eignen ihn sich auf eine Weise an, die  weit über seine rein funktionale Rolle hinausweist. Durch die enge Verbindung mit den projizierten oder  aufgetragenen Motiven wird der Raum zum zentralen Bestandteil der künstlerischen Arbeit.    In Koglers installativen Werken vereinen sich bisweilen die Dimensionen des Innen- und Außenraums zur  geschlossenen Bildfläche: Organische Formen, Rohrleitungen oder Geflechte überziehen Fassaden,  überwuchern Wände und bemächtigen sich des Bodens. Damit setzt der Künstler prägende Bildcodes  unserer Zeit ein, die mehr und mehr von Datenströmen und elektronischen Vernetzungen bestimmt ist.    Die prominenten Motive der Ameise, der Röhre oder des Gehirns gehören seit Beginn der 1980er-Jahre  zum konsequent eingesetzten Vokabular Koglers. Darin spiegelt sich seine Auseinandersetzung mit der  Zeichentheorie der 1970er- und 1980er-Jahre. Durch Motive dieser Art lassen sich Bedeutungen und  Funktionen von Information und Informationsflüssen vermitteln. Sie sind aber auch Metaphern für  Bindungen und Korrespondenzen, die zwischen Individuum und gesellschaftlichem Kollektiv bestehen.    Zunächst realisiert Kogler die Motive als Zeichnungen und Kartonobjekte, nach seiner Rückkehr von  einem Aufenthalt in Los Angeles überträgt er sie 1992 erstmals in den Raum: Von Jan Hoet zur  Gestaltung der Eingangssituation der Documenta IX eingeladen, lässt der Künstler das Motiv der Ameise  als Tapete drucken, mit der er die Wände bedeckt.    Mit seiner Arbeit in der Schirn schafft Kogler durch eine 360-Grad-Vielfachprojektion nun einen  illusionistischen Raum, der den Betrachter gänzlich umfängt und ins Zentrum einer audio-visuellen  Erfahrung stellt.     Grafische Ausgangssituation ist hierbei eine komplexe Gitterstruktur, deren Elemente jedoch sukzessive  ihre festen Koordinaten im Raum verlieren. Die Projektion durchläuft eine fortschreitende Transformation  ihrer spezifischen Struktur und versetzt den Raum visuell in Bewegung.   Die deutlich wahrnehmbare Vibration und Verschiebung des Raums wird begleitet von eindringlichen  Klängen des Soundkünstlers Franz Pomassl. Die Töne, erzeugt mithilfe selbstgefertigter Gerätschaften  und Instrumentarien aus der Messtechnik und anderen Forschungsbereichen, werden in der Projektion  Koglers zu einem skulpturalen Erlebnis. Im Zusammenspiel mit den visuellen Elementen werden sie in  einer Weise dominant, dass sie das Auf- und Durchbrechen einzelner Motive nicht etwa untermalen,  sondern es selbstbewusst zu dirigieren scheinen.  Der Betrachter befindet sich inmitten einer Superstruktur, die den Raum in seiner bisherigen Form durch  systematische Impulse auflöst. Es kommt zu unmittelbaren körperlichen und mentalen Reaktionen: Räumliche Desorientierung führt zum völligen Verlust gewohnter Raumerfahrung und entfaltet im  Rhythmus von verschwindenden und sich wandelnden Formen mithin eine Meditation des Medialen.      Peter Kogler, geboren 1959 in Innsbruck, lebt und arbeitet in Wien. Er studierte an der Akademie der  Bildenden Künste Wien. Seit 1979 stellt er seine Werke international aus, zuletzt unter anderem im  MUMOK, Wien (2008), im Mamco in Genf (2007), im MoMA, New York (2006), im Kunstverein Hannover  (2004) oder im Kunsthaus Bregenz (2000). Zwei Mal nahm er an der documenta teil (1992, 1997). Von  1997–2005 leitete Kogler die Klasse für Computer- und Videokunst an der Akademie der Bildenden  Künste Wien. Seit 2007 ist er Professor für Grafik an der Akademie der Bildenden Künste in München.    Der Elektronik-Sound- und Recording-Künstler Franz Pomassl lebt und arbeitet in Jaidhof   (Österreich) und Wien. Er studierte am Institut für Elektroakustik und Experimentelle Musik an der  Universität für Musik und Darstellende Kunst, Wien sowie an der Akademie der Bildenden Künste Wien,  Fachrichtung Neue Medien. Er lehrt Sound an der Akademie der Bildenden Künste in Wien und ist  Betreiber des Electronic Music Operation Label Laton. 
Peter Kogler - Projektion
1. Juli – 12. September 2010
Schirn Kunsthalle Frankfurt
 




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