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![]() ![]() Katinka Bock Bevor Katinka Bock mit einer Arbeit beginnt, begibt sie sich auf Spurensuche. In intensiver Recherche setzt sich die 33-Jährige mit der Geschichte der Orte auseinander, für die ihre Skulpturen, Filme und Installationen bestimmt sind. Ein besonderes Anliegen der in Paris lebenden Künstlerin ist es, den Betrachtern neue Sichtweisen auf ihre direkte Umgebung zu ermöglichen. Für die zwölfte »Frischzelle« in der Ausstellungsreihe junger Kunst im Kunstmuseum Stuttgart gestaltet die gelernte Bildhauerin eine raumgreifende Installationsanordnung. Die Marion-Ermer-Preisträgerin stellt anhand von zehn Skulpturen aus natürlichen Materialien wie Ton, Papier, Holz, Metall und Stein Bezüge zur Museumsarchitektur her und schafft Verbindungen zum künstlerischen Umfeld. Außerdem wird vom 6. März bis 6. Juni eine Videoarbeit sowie eine neue Diaprojektion von Katinka Bock in der »Frischzelle« präsentiert. ![]() Installationsanordnung im Kunstmuseum Stuttgart, 2010 Foto: Kunstmuseum Stuttgart © Katinka Bock Den Wandel, dem sich der Raum unter dem Kleinen Schlossplatz im Laufe der Zeit unterzogen hat, macht die Künstlerin mithilfe ihrer Skulpturen sichtbar: Dort, wo heute Kunstwerke zu sehen sind, strömte zwischen 1969 und 1978 der Verkehr. Eingebrannte Reifenspuren eines Autos, das die Künstlerin im Nachbartunnel des Museums über eine Tonrolle fahren ließ, sind auf der Skulptur »Before Detroit« (2010) zu sehen. Eine Hommage an die Zeit, als sich die Skater- und Sprayerszene noch vor Baubeginn des Kunstmuseums am Schlossplatz versammelte, ist die Skulptur »Zuwendung« (2010): an der über acht Meter hohen Wand, die die zwei Ausstellungsebenen im Sammlungsbereich miteinander verbindet, befestigt Katinka Bock auf dreieinhalb Meter Höhe ein Brett, von dem die maßstabsgetreue Fotografie eines Graffitos hängt, das noch heute im Heizungsraum des Kunstmuseums erhalten ist. Die Bildseite zeigt sich jedoch nicht wie erwartet dem Betrachter, sondern ist gegen die Wand gekehrt durch den Spalt zwischen Papier und Mauer erkennbar. ![]() PS : Jerusalem, 2003, Video, 5 Min., Courtesy Galerie Jocelyn Wolff, Paris © Katinka Bock Neben der Geschichte befasst sich Katinka Bock auch mit der Architektur des Ortes. Mithilfe der Skulptur »La hauteure est complexe« (2009), einer zwischen Boden und Decke angebrachten Teleskopstange, macht die gebürtige Frankfurterin die Dimension des musealen Raums sichtbar. Die horizontale Ausdehnung des Ausstellungsbereichs zeigt die Installation »Raumkoordinaten« (2010): ein durch den Saal gespanntes Drahtseil, das sich auf Höhe der Glasgeländer im Erdgeschoss befindet, wird von zwei Lavabasaltsteinen gehalten, die aus dem gleichen Steinbruch stammen wie der Boden des Museumsfoyers. An dem Drahtseil wiederum hängt die Skulptur »Balance« (2009), die aus einem halbkugelförmigen Tongefäß besteht, das sich anfangs im Gleichgewicht mit einem schmalen hohlen Tonzylinder befindet. Beide miteinander verbundenen Gefäße enthalten Wasser, das unterschiedlich schnell verdampft. Im Verlauf der Ausstellung senkt sich der Zylinder immer weiter ab, bis er schließlich auf einem zweibeinigen Tisch aus massiver Eiche aufsetzt. Eine Ecke der Tischplatte verschwindet in der Museumswand, die damit zum dritten Bein wird und der Skulptur »Haltung« (2010) Stabilität gibt. Unter der Tischplatte ist ein 180 Kilogramm schwerer Lavabasaltbrocken befestigt, der den Bezug zu »Balance« herstellt. In Anlehnung an Dieter Roths »Gartenzwerg«, der in einem verrottenden Schokoladenblock versenkt im Nachbarraum steht, setzt sich Katinka Bock in der Arbeit »Geschwister« (2010) mit dem Thema der unaufhaltsamen Veränderung auseinander. Die Künstlerin setzt zwei ungebrannte Tonplatten unterschiedlichen Einflüssen aus: In eine Platte sickert kontinuierlich Regenwasser aus einer Filzschale, während die andere langsam an der Luft austrocknet und reißt. Wandel beschäftigt Katinka Bock auch in ihren beiden filmischen Arbeiten »La question du centre« (2006) und »Himmel unserer Stadt« (2010). FRISCHZELLE_12: KATINKA BOCK 6. März – 6. Juni 2010 Kunstmuseum Stuttgart ![]() |
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